Mut und Neugier statt Schlussstrich.
„Unser Großvater und Auschwitz. Zeit, das Schweigen zu brechen.“ - Die Baumgart-Stiftung für Zeitgeschichte fördert das Sachbuch von Almuth Salentijn und Ute Sterr.
In der Mehrzahl der Familien von Beteiligten an den Verbrechen des Nationalsozialismus herrscht bis heute Verdrängen und Verschweigen vor und Nachfragen wird meist mit der Forderung nach einem „Schlussstrich“ begegnet. Doch es gibt einzelne Vertreter und Vertreterinnen der Enkelgeneration, die dieser Verweigerungshaltung mit Mut und Neugier gegenübertreten, um herauszufinden, was das eigentlich ist, unter das ein Schlussstrich gezogen werden soll.
Dazu gehören die beiden Schwestern Almuth Salentijn und Ute Sterr. Ihren Großvater Fritz Koch (1909-1978) hatten sie anfangs mit behaglichen Kindheitserinnerungen im Gedächtnis:
Im Buch eines Auschwitz-Überlebenden stoßen sie jedoch eines Tages auf die NS-Vergangenheit ihres Großvaters. Dies war der Startpunkt einer jahrelangen Recherche. Wie sie herausfanden, war Fritz Koch ab 1940 als Kriminalbeamter in Den Haag stationiert und dort ab Ende 1942 bis Kriegsende 1945 als Sachbearbeiter im sogenannten „Judenreferat“ tätig, zuletzt im Rang eines Kriminalsekretärs und SS-Sturmscharführers. Er war verantwortlich für Razzien, Verhöre und Entscheidungen über Deportationen von Jüdinnen und Juden.
Die Autorinnen folgen den Spuren und tauchen in die Geschichte der Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten in den besetzten Niederlanden ein, um Antworten auf die Fragen zu finden, die auch auf der Buchrückseite stehen:
Die Schwestern nehmen die Leserinnen und Leser mit auf die Suche nach Informationen und Hinweisen, wobei sie auch mit Nachfahren von Opfern in Kontakt kommen. Dabei ist die Zielrichtung ihrer Recherche zunächst ambivalent:
Die Hoffnung erfüllt sich nicht. Die Autorinnen entwickeln ihren eigenen Weg, wie sie mit der Frage nach der Schuld in der Familie umgehen. Sie ordnen den konkreten Fall ihres Großvaters in den historischen Kontext ein: die deutsche Besatzungspolitik in den Niederlanden, die Rolle von „normalen Mitläufern" und ihren Beitrag zum Funktionieren des Systems der Konzentrationslager sowie die Defizite der bundesdeutschen Strafverfolgung von NS-Tätern.
Wir freuen uns, dass wir zum Erscheinen dieses wichtigen Werks mit einem Druckkostenzuschuss eitragen konnten.
„Unser Großvater und Auschwitz. Zeit, das Schweigen zu brechen.“ erscheint im Oktober 2026 in der BUXUS EDITION und kann jetzt schon vorbestellt werden:
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