16.09.2026

Mut und Neugier statt Schlussstrich.

„Unser Großvater und Auschwitz. Zeit, das Schweigen zu brechen.“ - Die Baumgart-Stiftung für Zeitgeschichte fördert das Sachbuch von Almuth Salentijn und Ute Sterr.

Unser Vater und Auschwitz 2x3

In der Mehrzahl der Familien von Beteiligten an den Verbrechen des Nationalsozialismus herrscht bis heute Verdrängen und Verschweigen vor und Nachfragen wird meist mit der Forderung nach einem „Schlussstrich“ begegnet. Doch es gibt einzelne Vertreter und Vertreterinnen der Enkelgeneration, die dieser Verweigerungshaltung mit Mut und Neugier gegenübertreten, um herauszufinden, was das eigentlich ist, unter das ein Schlussstrich gezogen werden soll.

 

Dazu gehören die beiden Schwestern Almuth Salentijn und Ute Sterr. Ihren Großvater Fritz Koch (1909-1978) hatten sie anfangs mit behaglichen Kindheitserinnerungen im Gedächtnis:

Wenn wir an unseren Opa denken, dann haben wir einen sehr gemütlichen, gut beleibten und behäbigen Mann vor Augen, der seinen Enkelkindern abends auf der Bettkante mit gewichtig-geheimnisvollem Tonfall und entsprechender Miene das Märchen „Alibaba und die 40 Räuber“ erzählte.

Im Buch eines Auschwitz-Überlebenden stoßen sie jedoch eines Tages auf die NS-Vergangenheit ihres Großvaters. Dies war der Startpunkt einer jahrelangen Recherche. Wie sie herausfanden, war Fritz Koch ab 1940 als Kriminalbeamter in Den Haag stationiert und dort ab Ende 1942 bis Kriegsende 1945 als Sachbearbeiter im sogenannten „Judenreferat“ tätig, zuletzt im Rang eines Kriminalsekretärs und SS-Sturmscharführers. Er war verantwortlich für Razzien, Verhöre und Entscheidungen über Deportationen von Jüdinnen und Juden.

Die Autorinnen folgen den Spuren und tauchen in die Geschichte der Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten in den besetzten Niederlanden ein, um Antworten auf die Fragen zu finden, die auch auf der Buchrückseite stehen:

Hat der Großvater selbst gefoltert, getötet? Wusste er, was in Auschwitz geschah? Bereute er später seine Taten? Wie ging man im Nachkriegsdeutschland mit Tätern wie ihm um?

Die Schwestern nehmen die Leserinnen und Leser mit auf die Suche nach Informationen und Hinweisen, wobei sie auch mit Nachfahren von Opfern in Kontakt kommen. Dabei ist die Zielrichtung ihrer Recherche zunächst ambivalent:

Insgeheim war da vielleicht die Hoffnung, Entlastendes zu finden. Irgendetwas, das zu der Erkenntnis führen würde, dass unser Großvater nicht zu den „ganz schlimmen Nazis“ gehörte und dass er vielleicht noch irgendwie ein menschliches Gesicht gezeigt haben könnte.

Die Hoffnung erfüllt sich nicht. Die Autorinnen entwickeln ihren eigenen Weg, wie sie mit der Frage nach der Schuld in der Familie umgehen. Sie ordnen den konkreten Fall ihres Großvaters in den historischen Kontext ein: die deutsche Besatzungspolitik in den Niederlanden, die Rolle von „normalen Mitläufern" und ihren Beitrag zum Funktionieren des Systems der Konzentrationslager sowie die Defizite der bundesdeutschen Strafverfolgung von NS-Tätern.

 

Wir freuen uns, dass wir zum Erscheinen dieses wichtigen Werks mit einem Druckkostenzuschuss eitragen konnten.

 

„Unser Großvater und Auschwitz. Zeit, das Schweigen zu brechen.“ erscheint im Oktober 2026 in der BUXUS EDITION und kann jetzt schon vorbestellt werden:

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme - am besten per E-Mail!

Solange wir nicht ausdrücklich etwas anders vereinbart haben, behandeln wir Kontakte mit Ihnen grundsätzlich vertraulich.