Wie werden Frauen in Spielfilmen über den Nationalsozialismus dargestellt?
Die Baumgart-Stiftung für Zeitgeschichte fördert die Monografie von Laura Heinhold, die im Juli 2026 im Transcript-Verlag erscheint, durch einen Druckkostenzuschuss.
Der Spielfilm zählt zu den wichtigsten und meistgenutzten Elementen der Erinnerungskultur zum „Dritten Reich" — doch er erzählt diese Geschichte einseitig: Im Mittelpunkt stehen fast ausnahmslos Männer. Das Leben der Frauen, ihre Stellung in der Gesellschaft und ihre Bedeutung für Aufstieg und Funktionieren des NS-Regimes werden in deutschen Spielfilmen nach aktuellem geschichtswissenschaftlichem Stand inkorrekt, stereotypisch oder unverhältnismäßig selten dargestellt.
Die Theaterwissenschaftlerin Laura Heinhold untersucht in ihrer soeben fertiggestellten Monografie, inwieweit der deutsche Spielfilm des 21. Jahrhunderts ein historisch verzerrtes Bild der Rolle von Frauen im „Dritten Reich" vermittelt. Das Werk beruht auf ihrer Dissertation „Die verschwiegene Hälfte — Geschlechterunterschiede in der filmischen Darstellung des ‚Dritten Reichs'", die sie 2024 an der Ludwig-Maximilians-Universität München vorgelegt hat. Ihre zentrale These: In deutschen Spielfilmen der Jahre 2000–2020 dominiert die NS-ideologische Vorstellung des Lebens von Frauen und nicht die Lebensrealität der Frauen im Nationalsozialismus.
Heinhold zeigt, dass westliche Spielfilme Frauen fast ausschließlich als passive Opfer darstellen und Täterinnen damit aus der filmischen Erinnerungskultur weitgehend ausblenden. Die kulturellen, wirtschaftlichen und strukturellen Gründe für dieses Darstellungsmuster werden ebenso analysiert wie die geschichtswissenschaftlichen Forschungslücken zur Rolle von Frauen im Nationalsozialismus. Eigene Quellenarbeit ergänzt die historische Einordnung; die Spielfilme werden systematisch auf ihre wissenschaftliche Genauigkeit hin untersucht.
Die Baumgart-Stiftung für Zeitgeschichte fördert die Veröffentlichung der Printversion dieser Arbeit, weil sie eine doppelte Relevanz besitzt: für die Täter*innenforschung ebenso wie für das Verständnis, wie Frauen als Teil heutiger rechter und rechtsextremer Strömungen gesehen werden.
Die Monografie erscheint im Juli 2026 gedruckt und als E-Book unter Open-Access-Lizenz im Transcript-Verlag.
Laura Heinhold: Das „Dritte Reich“ im Spielfilm. Geschlechterrollen und Handlungsmuster in deutschen Kino- und Fernsehproduktionen 2000-2020.