Wie geht es mit der Forschung zum Personal der Konzentrationslager weiter?
Der Stiftungsrat der Baumgart-Stiftung für Zeitgeschichte kam vom 28. September bis 1. Oktober 2026 mit einigen Forschungs- und Förderpartner:innen zur Klausurtagung in Straßburg und am Ort des ehemaligen KZ Natzweiler zusammen.
Stiftungsrat und Gäste vor einer Baracke des ehemaligen KZ Natzweiler
Dem Stiftungsrat gehören Tilman Taube, Dr. Stefan Hördler und Dr. Gregor Holzinger an. Durch das Programm führte Marc Baumgart, Vorstand der Stiftung. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Forschung zu den Männern und Frauen weitergeht, die die Konzentrationslager betrieben. Wir haben neue Quellen kennengelernt, vielversprechende laufende Projekte diskutiert und über neue Vorhaben beraten.
Am Ort des ehemaligen KZ Natzweiler
Am ersten Tag besuchten wir die Gedenkstätte am Ort des ehemaligen Konzentrationslagers Natzweiler, des einzigen KZ-Hauptlagers auf dem Gebiet des heutigen Frankreich. Dr. Marco Brenneisen führte uns über das Gelände und lenkte den Blick dabei auch auf die Geschichte der Erinnerung an diesem Ort: Was Besucher:innen heute sehen, ist nicht nur Überrest des Lagers, sondern auch Ergebnis späterer Gestaltung. Ein Beispiel dafür ist das markante Eingangstor. Es entspricht nicht dem historischen Lagereingang, sondern geht auf die Dreharbeiten zum Hollywood-Film „Die jungen Löwen” (1958) zurück. Diese Nachgeschichte offen zu reflektieren, macht die Gedenkstätte zu einem besonderen Lernort.
Rundgang über das Gelände der Gedenkstätte, im Hintergrund das Lagertor.
Vor Ort stellte Tilman Taube neu entdeckte Briefe seines Großvaters Dr. Heinz Baumkötter vor. Baumkötter war kurzzeitig Lagerarzt im KZ Natzweiler und schrieb seiner Verlobten von seinem „Höhenluftkurort”. Die Briefe stammen aus der Sammlerszene. Sie zeigen, wie viele aussagekräftige Quellen außerhalb der Archive noch zu finden sind.
Dr. Stefan Hördler berichtete, wie der MDR-Podcast „NS Cliquen. Von Mördern und Menschen.” Forschungsergebnisse einem breiten Publikum zugänglich macht.
Aktuelle Täter:innenforschung: Werkstattberichte aus drei Dissertationsprojekten
Im Zentrum der Tagung standen Werkstattberichte zu drei laufenden Dissertationsprojekten, deren Ergebnisse wichtige Beiträge zur künftigen Forschungsliteratur versprechen:
- Andreas Pupkes (Humboldt-Universität zu Berlin) untersucht in seinem von der Stiftung geförderten Projekt den Mitarbeiter:innenstab des Inspekteurs der Konzentrationslager 1939–1945.
- Silke Umdasch (Universität Wien), ebenfalls von der Stiftung gefördert, forscht zu Frauen als Täterinnen im KZ-Komplex Mauthausen 1938–1945.
- Nadine Jenke (Friedrich-Schiller-Universität Jena), Forschungspartnerin der Stiftung, befasst sich mit NS-Verfolgten als Akteuren der Strafverfolgung von NS-Verbrechen in der DDR, der Bundesrepublik und Österreich.
Andreas Pupkes stellt Karrierewege im Stab des Inspekteurs der Konzentrationslager vor.
Zukünftige Täter:innenforschung: Entscheidungen des Stiftungsrats
In seiner Sitzung in Straßburg beriet der Stiftungsrat außerdem über wichtige Fragen für die weitere Arbeit der Stiftung und beschloss dazu Empfehlungen:
- über neue Förderanträge, darunter aussichtsreiche Vorhaben, die die Forschung zum Personal der Konzentrationslager um wichtige Perspektiven erweitern können,
- darüber, wie das wachsende Stiftungsarchiv künftig der Wissenschaft zugänglich gemacht werden kann,
- und über die Etablierung eines Forschungspreises, der Wissenschaftler:innen zusätzlich motivieren soll, sich diesem Forschungsfeld zu widmen.
Über die geförderten Projekte, das Archiv und den Forschungspreis werden wir in den kommenden Wochen ausführlicher berichten.
Dank
Unser herzlicher Dank gilt Michaël Landolt, Direktor der Gedenkstätte, und Dr. Cédric Neveu, ihrem Forschungsleiter, für die Gastfreundschaft in Natzwiller. Ebenso danken wir Dr. Marco Brenneisen, Mitarbeiter des MARCHIVUM in Mannheim und Vorsitzender des Verbunds der Gedenkstätten im ehemaligen KZ-Komplex Natzweiler, für die Führung sowie allen Teilnehmenden für den intensiven Austausch.
Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme - am besten per E-Mail!
Solange wir nicht ausdrücklich etwas anders vereinbart haben, behandeln wir Kontakte mit Ihnen grundsätzlich vertraulich.
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